Von der Wartburg ins Management: Steven Hellner über Netzwerke, Authentizität und regionales Engagement
In einer Zeit, in der digitale Netzwerke oft die persönliche Begegnung ersetzen, zeigt Steven Hellner mit dem Thüringer Führungskreis (TFK), wie wertvoll authentische Verbindungen für die regionale Wirtschaft sein können. Im Gespräch mit den EASTSIDE HEROES gibt der erfolgreiche Netzwerker und Vertriebsexperte spannende Einblicke in seinen Werdegang und seine Vision für die ostdeutsche Wirtschaft.
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Von der Pike auf gelernt
Seine Karriere begann Hellner mit einer klaren Vision: "Ich habe mir mit 18 gesagt, dass ich mit 25 keine Teller mehr tragen möchte und mit 30 Hoteldirektor sein möchte." Was folgte, war ein beeindruckender Weg durch die deutsche Hotellandschaft - von der historischen Wartburg über das beste Golfhotel Europas bis hin zum G8-Gipfel im Heiligendamm. Mit 26 Jahren erreichte er sein Ziel und wurde einer der jüngsten Hoteldirektoren Deutschlands.
Doch der eigentliche Wendepunkt seiner Karriere kam durch einen Mentor, der Hellners Talent für den Vertrieb erkannte. Albert Vogts, damaliger Direktor des Russischen Hofs in Weimar, gab ihm die Chance, sich als Vertriebs- und Marketingleiter zu beweisen. Diese Entscheidung prägte seinen weiteren Werdegang maßgeblich.
Der Weg zum Netzwerker
Nach Stationen in Frankfurt und bei den Romantik Hotels & Restaurants führte ihn sein Weg zur Firma Invent, wo er heute als CSO (Chief Sales Officer) tätig ist. Parallel dazu gründete er 2020 sein eigenes Unternehmen und ist als Markenbotschafter für verschiedene Marken aktiv.
Die Gründung des Thüringer Führungskreises entstand dabei fast zufällig aus dem Bedürfnis heraus, sich mit Gleichgesinnten auszutauschen. Was als kleine WhatsApp-Gruppe begann, entwickelte sich zu einem professionellen Netzwerk mit heute 122 Mitgliedern, darunter 25 Prozent Frauen.
Was den TFK besonders macht
"Die Lücke ist halt wirklich, das ist auf sehr sehr hohem Niveau und sehr vertrauensvoll", erklärt Hellner den Unterschied zu anderen Netzwerken. Der TFK zeichnet sich durch drei Kernaspekte aus:
Branchenübergreifender Austausch: Anders als bei klassischen Wirtschaftsverbänden treffen hier Führungskräfte aus allen Bereichen aufeinander - vom Anwalt bis zum Automobilhändler.
Keine Verkaufsatmosphäre: Ein wichtiges Prinzip ist, dass niemand dem anderen etwas verkaufen will. Der Fokus liegt auf echtem Austausch und gegenseitiger Unterstützung.
Informelle Atmosphäre: Unter dem Motto "Hashtag Arschloch-Freie-Zone" wird auf hierarchiefreien Austausch in entspannter Atmosphäre gesetzt.
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Authentizität ist sein Erfolgsrezept
Besonders bemerkenswert ist Hellners Ansatz zur Authentizität: "Ich verstelle mich für niemand. Ich bin immer ehrlich, bin authentisch, was ich auch jedem raten kann." Diese Haltung zeigt sich auch in kleinen Details - etwa wenn er bei einer Galaveranstaltung Cola in seinen Rotwein kippt, weil er keine trockenen Weine mag.
Sein Erfolg basiert nicht auf akademischen Titeln oder dem klassischen Karriereweg - Hellner hat nach eigener Aussage "noch nie ein Buch gelesen". Stattdessen lernt er durch Hörbücher, persönliche Gespräche und praktische Erfahrungen. Diese unkonventionelle Art macht ihn zu einem interessanten Vorbild für moderne Führungskräfte.
Regionales Engagement als Herzensangelegenheit
Ein besonderes Anliegen ist Hellner die Stärkung der regionalen Wirtschaft: "Ich möchte einfach, dass wir hier als Standort stärker werden, dass wir ein starkes Netzwerk haben, dass jeder einzelne der Mitglied in unserem Netzwerk ist, dass er vertrauensvolle Menschen hat."
Dieses Engagement zeigt sich auch in seiner Tätigkeit als Dozent, wo er sein Praxiswissen an die nächste Generation weitergibt. Dabei geht es ihm besonders darum, Erfahrungen aus seiner Zeit außerhalb Ostdeutschlands zurück in die Region zu bringen.
Ausblick und Vision
Der TFK entwickelt sich stetig weiter - von der ursprünglichen WhatsApp-Gruppe hin zu einer professionellen Plattform mit eigener Website. Dabei bleibt der Fokus auf dem persönlichen Austausch und der gegenseitigen Unterstützung. "Von diesem geballten Wissen, dieser Schwarmintelligenz, profitieren halt alle bei uns", fasst Hellner zusammen.
Seine Botschaft an alle, die ähnliche Ambitionen haben: "Ich kann halt jedem, der da irgendwie zuhört, nur empfehlen, sich selber in seiner Region zu engagieren, egal ob es mit einem Netzwerk ist oder mit einem Verein oder sonstiges."
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Fazit
Steven Hellners Geschichte zeigt exemplarisch, wie wichtig authentische Netzwerke für die regionale Wirtschaftsentwicklung sind. Der TFK ist dabei mehr als nur ein Businessnetzwerk - er ist ein Beispiel dafür, wie moderne Führungskräfte durch offenen Austausch und gegenseitige Unterstützung ihre Region voranbringen können. In einer Zeit, in der viele Regionen vor wirtschaftlichen Herausforderungen stehen, könnte dieses Modell auch über Thüringen hinaus Schule machen.
Mit seiner bodenständigen Art und seinem klaren Fokus auf echte Beziehungen statt oberflächlicher Kontakte zeigt Hellner einen Weg auf, wie regionales Wirtschaften im 21. Jahrhundert funktionieren kann. Der Erfolg des TFK gibt ihm dabei Recht - und macht Mut für ähnliche Initiativen in anderen Regionen.