Von der Dorfbäckerei zum innovativen Familienunternehmen: Die Geschichte der Bäckerei Bergmann
Wenn man an traditionelle Bäckereien denkt, hat man oft das Bild eines kleinen Familienbetriebs vor Augen, der seit Generationen auf die gleiche Art und Weise Brot und Brötchen herstellt. Die Bäckerei Bergmann aus Frömmstedt zeigt jedoch eindrucksvoll, dass Tradition und Innovation sich nicht ausschließen müssen – im Gegenteil.
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Eine Geschichte über vier Generationen
Die Geschichte der Bäckerei Bergmann beginnt bereits vor der DDR-Zeit. 1908 legte Hermann Bergmann in Grieffstedt den Grundstein für das, was heute eines der innovativsten Bäckereiunternehmen Thüringens ist. Nach einem tragischen Motorradunfall musste der Betrieb zunächst schließen – damals war es für Frauen noch undenkbar, einen Handwerksbetrieb weiterzuführen. Doch der kleine Enkel machte seiner aufgelösten Großmutter ein Versprechen: "Oma, mach’ dir keine Sorgen, wenn ich groß bin, werde ich Bäcker."
Dieses Versprechen sollte der Beginn einer bemerkenswerten Familientradition werden. 1961 übernahm die Familie die Gemeindebäckerei in Frömmstedt. In der DDR-Zeit etablierte sich der Betrieb durch kompromisslose Qualität – so sehr, dass manchmal sogar Durchreisende anhielten, um das berühmte Frömstedter Brot zu kaufen.
Die Wendezeit als Chance
Die Wendezeit stellte viele ostdeutsche Betriebe vor existenzielle Herausforderungen. Auch die Bäckerei Bergmann musste sich neu erfinden. Winfried Bergmann, der eigentlich gelernter Schlosser war, erkannte die Zeichen der Zeit. Statt aufzugeben, packte er die übrig gebliebenen Backwaren in seinen Trabi, hängte einen Anhänger dran und fuhr zu seinen ehemaligen Arbeitskollegen. Was als Notlösung begann, entwickelte sich zum innovativen Geschäftsmodell: Wenn die Kunden nicht mehr zur Bäckerei kamen, musste die Bäckerei eben zu den Kunden kommen.
Innovation als Überlebensstrategie
Heute führt Matthias Bergmann das Unternehmen in vierter Generation. Mit 50 Filialen, 450 Mitarbeitenden und einem Jahresumsatz von rund 23 Millionen Euro hat sich der einstige Dorfbäcker zu einem modernen Mittelstandsunternehmen entwickelt. Doch der Erfolg kam nicht von allein.
"Ohne Innovation gäbe es uns nicht mehr", betont Matthias Bergmann. Das klingt zunächst widersprüchlich für einen traditionsreichen Handwerksbetrieb. Doch gerade die Kombination aus handwerklicher Tradition und modernen Managementmethoden macht das Unternehmen so erfolgreich.
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Design Thinking in der Backstube
Ein Wendepunkt in der jüngeren Unternehmensgeschichte war die Einführung von Design-Thinking-Methoden – für eine mittelständische Bäckerei im Jahr 2017 ein durchaus mutiger Schritt. "Als wir mit bunten Post-its und Lego-Steinen Workshops machten, wurden wir anfangs belächelt", erinnert sich Bergmann. Doch die Methode zahlte sich aus: Durch die neue Art der Zusammenarbeit entstanden innovative Produkte und Prozesse, die das Unternehmen nachhaltig veränderten.
Regional verwurzelt, digital vernetzt
Besonders bemerkenswert ist, wie die Bäckerei Bergmann Regionalität und Digitalisierung verbindet. Über 80 Prozent der Rohstoffe stammen aus Thüringen. Die Zusammenarbeit mit lokalen Produzenten wird durch moderne Lieferketten-Management-Systeme optimiert. In den sozialen Medien lässt das Unternehmen seine Kunden aktiv mitentscheiden – etwa wenn es um neue Füllungen für die beliebten Pfannkuchen geht.
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Soziales Engagement als Unternehmenswert
"Wenn es unserer Region gut geht, geht es unseren Menschen gut, wenn es unseren Mitarbeitern gut geht, geht es uns gut." Nach dieser Philosophie engagiert sich die Bäckerei Bergmann vielfältig in der Region. Ob Unterstützung von Kindergärten, Schulen oder karitativen Einrichtungen – das Unternehmen versteht sich als aktiver Teil der Gemeinschaft. Ein Beispiel ist die jährliche Pfannkuchen-Aktion zum Tag der Kinderhospizarbeit, die im letzten Jahr über 25.000 Euro Spenden generierte.
Familientradition neu gedacht
Was die Bäckerei Bergmann besonders macht, ist der bewusste Umgang mit dem Generationenwechsel. Anders als in vielen Familienbetrieben wurde hier nie Druck ausgeübt. "Ein ganz klarer Punkt ist, mein Vater hat sich selbstständig dafür entschieden, herzukommen. Meine Mutter ist freiwillig in den elterlichen Betrieb gegangen. Ich bin freiwillig in elterlichen Betrieb. Mein Bruder ist freiwillig in elterlichen Betrieb", erklärt Matthias Bergmann.
Diese Freiwilligkeit schafft Raum für neue Ideen und Veränderungen. Gleichzeitig hat die Familie klare Regeln etabliert, um Berufliches und Privates zu trennen: Sobald man das Betriebsgelände verlässt, gilt ein striktes Verbot, über geschäftliche Dinge zu sprechen.
Zukunftsperspektiven
Die Geschichte der Bäckerei Bergmann zeigt exemplarisch, wie traditionelle Handwerksbetriebe den Sprung ins digitale Zeitalter schaffen können. Der Schlüssel zum Erfolg liegt in der Balance zwischen Bewährtem und Neuem. "Sicher machen wir nur Kuchen mit", sagt Matthias Bergmann bescheiden, "aber wir haben immer was zu essen und Essen ist ein Grundbedürfnis. Also du kannst durch Essen einfach viele Türen öffnen."
Diese Türen nutzt das Unternehmen, um sich kontinuierlich weiterzuentwickeln. Ob digitale Transformation, nachhaltiges Wirtschaften oder moderne Arbeitswelten – die Bäckerei Bergmann zeigt, dass auch traditionelle Handwerksbetriebe Vorreiter sein können.
Die Geschichte der Bäckerei Bergmann ist mehr als eine Erfolgsgeschichte eines ostdeutschen Unternehmens. Sie ist ein Beispiel dafür, wie Tradition und Innovation, regionales Engagement und digitale Transformation, Familienwerte und moderne Unternehmensführung zusammengehen können. Eine Geschichte, die Mut macht – und appetit auf mehr.
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