Die Zukunft der Hörakustik: Peter Möckel über Hörgeräte, AirPods und Innovation

„Der Hunger kommt beim Essen.“ Peter Möckel lehnt sich zurück und lächelt. Man merkt sofort: Hier spricht kein Theoretiker, sondern ein Vollblutunternehmer, der weiß, wie man Chancen nutzt. Hörgeräte Möckel, 21 Standorte, 100 Mitarbeiter, einer der größten Player in Thüringen. Aber wie schafft man das? Und das in einer Branche, die gerade von Tech-Giganten wie Apple ordentlich durchgerüttelt wird?

Wir besuchen Peter Möckel am Hauptsitz in Meinigen. Foto: Hörgeräte Möckel

Vom Konzern in den Familienbetrieb

„Nach dem Studium des Wirtschaftsingenieurwesens bei BMW in München“, erzählt Peter, „wäre ich beinahe in der Großindustrie geblieben. Der Reiz, rauszukommen aus dem Osten und das Leben in einer Metropole zu genießen, war da.“ Doch dann kam die Entscheidung, zurück nach Thüringen zu ziehen. Keine einfache Wahl, aber eine, die er nicht bereut hat. „Ich habe gemerkt, dass meine Erfüllung im unternehmerischen Handeln liegt, im Entwickeln, nicht im Verwalten.“

Der Mix aus internationalem Know-how und regionalem Antrieb zeigt sich bei jeder Entscheidung. Hörgeräte Möckel wächst organisch, ohne die 5- oder 10-Jahres-Pläne, die man aus der Großindustrie kennt. „Es gab nie den einen strategischen Plan. Wir haben uns aus uns selbst heraus entwickelt. Wenn sich Chancen bieten, ergreifen wir sie.“


Die patentierte Anpassmethode und die App

Aber reden wir mal über Innovationen. Denn hier setzt Peter Akzente, die viele nicht erwarten würden. „Wir haben eine eigene Anpassmethode entwickelt und patentieren lassen“, sagt er. Das ist keine Kleinigkeit, sondern ein Gamechanger in der Hörakustik. Dann gibt es da noch unsere Kundenbindungs-App, die so funktioniert, wie man es von den Großen der Finanz- oder Versicherungsbranche kennt. „Da fragt man sich: Nutzen wir das nur intern oder bringen wir es auf den Markt? Wir haben uns für Letzteres entschieden.“

Apple und die AirPods: Konkurrenz oder Chance?

Das Gespräch nimmt Fahrt auf, als wir Apple ins Spiel bringen. AirPods, medizinische Features, Gesundheits-Apps – was bedeutet das alles für die Hörgerätebranche? Peter bleibt ruhig. „AirPods sind tolle Produkte, keine Frage. Aber ein Hörgerät ist ein individuelles Medizinprodukt, das auf den Träger angepasst werden muss – wie ein Fingerabdruck.“ Und trotzdem sieht er die Entwicklung positiv. „AirPods können den Markt erweitern, sie bringen Menschen dazu, sich überhaupt mit dem Thema Hören auseinanderzusetzen.“

Man merkt, dass Peter hier einen klaren Blick hat. Ja, es gibt Konkurrenz. Ja, der Markt wird härter. Aber anstatt sich darauf zu fixieren, was die anderen tun, fokussiert er sich auf das, was Hörgeräte Möckel besonders macht: die Kombination aus individueller Anpassung und persönlichem Service. „Bei uns ist es mehr als nur eine Transaktion. Es ist ein People-Business.“


Unternehmertum in Ostdeutschland: Ein anderes Mindset

Peter redet offen über die Besonderheiten des Unternehmertums im Osten. „Wir sind im Osten aufgewachsen, ohne die klassischen Unternehmerstrukturen. Das hat uns gelehrt, flexibel und mutig zu sein.“ Dieses Mindset, gepaart mit seiner Erfahrung aus der Großindustrie, hat ihn und das Unternehmen dahin gebracht, wo es heute steht.
Er lacht, als er über die flachen Hierarchien bei Hörgeräte Möckel spricht. „Alle Personalfragen werden direkt geklärt – entweder von mir oder von meinem Vater. Das macht den Unterschied. Wir sind ein Familienbetrieb und stolz darauf.“ Diese Nähe zu den Mitarbeitern, das persönliche Engagement, das spürt man in jeder Anekdote, die er erzählt. Das ist keine bloße Unternehmenspolitik, sondern gelebte Praxis.

Der Weg nach vorne

„Wir wollen nicht auf Teufel komm raus wachsen. Klar, Expansion ist gut, aber nur, wenn sie zur Kultur passt.“ Peter bleibt realistisch. Die Branche ist im Wandel, neue Player kommen, Regulierungen könnten sich ändern. Doch anstatt sich in langen Plänen zu verlieren, bleibt Hörgeräte Möckel agil. „Man muss wissen, an welchen Stellschrauben man dreht, wenn sich der Markt verändert.“

Was bleibt, ist die Erkenntnis, dass Peter Möckel nicht nur ein Unternehmer ist, der Zahlen im Blick hat. Er ist jemand, der den Menschen sieht – ob Mitarbeiter oder Kunde. „Hörgeräte sind mehr als nur ein technisches Produkt. Sie sind das Werkzeug, mit dem wir Menschen wieder ins Leben holen.“ Und das ist eine Botschaft, die bleibt.

Ein Thema, das im Gespräch mit Peter Möckel besonders heraussticht, ist der zunehmende Wettbewerbsdruck durch internationale Konzerne und Zukäufe in der Hörakustikbranche. „Der Markt hat sich in den letzten Jahren stark verändert – nicht nur durch neue Technologien, sondern auch durch das gesteigerte Interesse von Investoren und Großkonzernen“, erklärt Möckel. Diese Unternehmen erweitern ihre Wertschöpfungskette und kaufen bestehende Retail-Geschäfte auf, um ihre Marktposition zu stärken. Auch etablierte Hersteller treten als Einzelhändler auf und setzen auf eigene, proprietäre Produktlinien, was den Wettbewerb intensiviert. „Das bringt eine gewisse Professionalisierung, aber auch Herausforderungen für kleinere, unabhängige Betriebe mit sich.“ Möckel sieht darin jedoch nicht nur eine Bedrohung, sondern auch eine Chance, sich durch individuelle Anpassung, persönlichen Service und innovative Angebote abzuheben. „Unsere Stärke liegt in der Flexibilität und in unserer tiefen Verbindung zur Region, was uns von den großen, standardisierten Ketten unterscheidet.“

Hört gern wieder rein!

Moritz

Moritz ist Mitgründer von EASTSIDE HEROES und der E-Commerce-Marke “No Coffee”. Zuvor war er CEO der Influencer-Marketing-Software IROIN®. Mit seiner Expertise im Digital- und Influencer-Marketing sowie in SaaS-Geschäftsmodellen treibt er die digitale Transformation und Vernetzung von Unternehmen in Ostdeutschland voran. Er hat ein tiefes Verständnis für die Herausforderungen und Chancen der Region und setzt sich leidenschaftlich dafür ein, Ostdeutschland als dynamischen Wirtschaftsstandort zu etablieren und innovative Lösungen voranzutreiben.

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