Der Stadtgestalter: Wie Axel Heck Nordhausen durch Unternehmertum neu definiert

© Axel Heck

Wer heute durch Nordhausen schlendert, begegnet an vielen Ecken dem Einfluss eines Mannes, der seit über drei Jahrzehnten das Stadtbild prägt. Axel Heck hat nicht nur ein Unternehmen aufgebaut, sondern eine Vision für seine Heimatstadt entwickelt und umgesetzt. Seine Geschichte zeigt, wie echtes Unternehmertum über das eigene wirtschaftliche Interesse hinauswächst und ganze Regionen transformieren kann.

Die Anfänge: Bei Null starten in einer Zeit des Umbruchs

Die frühen 1990er Jahre waren für viele Ostdeutsche eine Zeit der Unsicherheit, aber auch der Möglichkeiten. Für Axel Heck begann die unternehmerische Reise mit einem halben Jahr als Taxifahrer direkt nach der Wende – eine Übergangsphase, in der er für sich klärte, wohin sein Weg führen sollte. 1991 folgte dann der entscheidende Schritt: der Kauf seines ersten Hauses.

"Es war eine ganz andere Herausforderung im Osten," erinnert sich Heck. "Man hatte es deutlich schwieriger, weil man nach der Wende komplett bei Null angefangen hat. Es gab keine Erbfolge von irgendetwas, sondern man hat komplett neu begonnen – und das in einem Umfeld, in dem man erst das Laufen lernen musste."

Dieses erste Objekt war ein stark renovierungsbedürftiges Dreifamilienhaus im Fachwerkstil. Die Finanzierung stellte eine enorme Hürde dar: Zinsen von 9,5% – heute kaum vorstellbar – und eine Bank, die ohne nennenswerte Sicherheiten viel Vertrauen in den jungen Unternehmer setzen musste. Seine Eltern unterstützten ihn, besonders sein Vater, der mit 55 Jahren seinen Job verloren hatte und nun seinem Sohn bei den behördlichen Wegen zur Seite stand.

"Meine Mutter hat versucht, mich davon abzuhalten und meinte, ich solle lieber in meinem Beruf weiterarbeiten," erzählt Heck mit einem Lächeln. "Aber mein Vater hat mich unterstützt, und das war einer der wichtigsten Punkte, dass ich das Wagnis eingegangen bin."

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Das Talent, Chancen zu erkennen, wo andere Probleme sehen

Was Axel Heck von Beginn an auszeichnete, war seine Fähigkeit, in scheinbar hoffnungslosen Objekten verborgenes Potenzial zu erkennen. Diese Gabe bewies er besonders eindrucksvoll bei der Sanierung des historischen Postamts in Nordhausen.

"Das Alte Postamt ist ein traumhaftes Objekt in der Altstadt, aber mit fast 5 Metern Raumhöhe hatte keiner eine Vorstellung, was man daraus machen könnte," erklärt er. Seine kreative Lösung: Den Fußboden um 1,20 Meter anheben und so bodentiefe Fenster schaffen, die dem Raum ein völlig neues Gefühl verliehen.

"Manchmal liegt man nachts da und grübelt, und dann fallen einem Dinge ein, die anderen aus irgendeinem Grund nicht eingefallen sind," beschreibt Heck seinen kreativen Prozess. "Warum sie anderen nicht eingefallen sind, weiß ich nicht. Manchmal hat man vielleicht auf der einen Seite ein Talent, und es fehlt an anderer Stelle. Vielleicht ist das mein Talent."

Dieses Talent, verbunden mit der Bereitschaft, Risiken einzugehen, wo andere zurückschrecken, wurde zu seinem Markenzeichen: "Immobilien mit besonderen Herausforderungen sind meist günstiger im Einkauf, weil andere sich nicht herantrauen."

Vom Immobilieninvestor zum Hotelier – eine ungeplante Wendung

Manchmal folgen die bedeutendsten Karriereentwicklungen nicht einem sorgfältig ausgearbeiteten Plan, sondern entstehen durch unvorhergesehene Umstände. So geschah es 2017, als Heck eine Immobilie am Bahnhof von Nordhausen erwarb, in der auch ein Hotel untergebracht war. Als der Betreiber ein Jahr später insolvent ging, stand er vor einer Entscheidung, die sein Geschäftsmodell grundlegend verändern sollte.

"Ich bin da reingeschlittert," gibt er offen zu. "Ich habe versucht, jemanden zu finden, der bereit war, die notwendige Sanierung des Hotels zu übernehmen, aber leider ohne Erfolg." Von außen wurde ihm zugetragen: Nordhausen brauche dringend ein anständiges Hotel – warum mache er es nicht selbst?

Mit typischem Unternehmergeist entwickelte Heck ein Konzept für ein stilvolles Designhotel. Er grub den historischen Namen "Fürstenhof" wieder aus, der von 1921 bis 1945 das Haus geprägt hatte, und gestaltete die Zimmer mit goldenen Wänden, um den Gästen das Gefühl zu vermitteln, in die goldene Ära des vergangenen Jahrhunderts einzutauchen.

Die Eröffnung im August 2019 war vielversprechend – doch dann kam vier Monate später Corona und machte seinen Plan, einen Betreiber zu finden, zunichte. "Da war ich mehr oder weniger gezwungen, weiterzumachen, die Zahlen nach oben zu bringen, Personal einzustellen und meine Idee umzusetzen. Das war ein großer Kraftakt, der bis heute anhält, besonders wenn man nicht aus der Branche kommt."

Das Tiny Sky Resort – Innovation in luftiger Höhe

Wer glaubt, dass ein klassisches Hotel der Höhepunkt von Hecks Innovationskraft sein würde, kennt ihn nicht gut genug. Sein neuestes Projekt verbindet Kreativität mit praktischem Denken: Zwölf stilvolle Tiny Houses auf dem obersten Deck eines 30 Jahre alten Parkhauses und drei weitere im angrenzenden Park.

"Die oberste Etage war wahrscheinlich nie von einem Auto genutzt worden," erklärt Heck. "Es war eine ungenutzte Fläche, der Beton war gerissen. Also habe ich mir Gedanken gemacht, was man noch aus dem Standort machen könnte, um das Fürstenhof-Hotel zu ergänzen."

Inspiriert vom wachsenden Trend zum minimalistischen Wohnen, recherchierte er verschiedene Tiny-House-Konzepte: "Ich wollte kein langweiliges Projekt, keinen einfachen Container aufstellen, sondern etwas mit architektonischem Anspruch." Das Ergebnis ist ein einzigartiges Übernachtungserlebnis, das nicht nur Gäste anzieht, sondern auch die Skyline der Stadt positiv verändert hat.

Der tiefere Gedanke hinter dem Projekt: "Wenn man ein Hotel betreibt und möchte, dass Gäste eine Aufenthaltsqualität erleben, muss man sich engagieren und das Umfeld aufwerten." Diese ganzheitliche Denkweise zeigt, wie Heck über das einzelne Objekt hinausdenkt und stets das Gesamtbild im Auge behält.

 

© Axel Heck

Verantwortung für die Region übernehmen

Was Axel Heck von vielen Unternehmern unterscheidet, ist sein Blick über den eigenen wirtschaftlichen Erfolg hinaus. Er denkt für seine Stadt mit, engagiert sich in der touristischen Erschließung der umliegenden Seen und hat klare Vorstellungen davon, was Nordhausen als Standort braucht.

"Wenn es der Staat und die Politik nicht macht, müssen wir Bürger das selbst tun," betont er. "Wir sind dafür da, selbst Unternehmertum zu leben und Verantwortung zu übernehmen."

Diese Haltung spiegelt sich in seiner Analyse der regionalen Entwicklung wider. "Ein Standort braucht erst einmal eine gute Destination, wo man starten kann. Es nützt nichts, wenn man sagt, wir haben eine Region mit Museen, Natur und einer Harz-Querbahn, wenn man nicht irgendwo gut übernachten kann."

Besonders die Abwanderung junger Menschen bereitet ihm Sorgen: "In dem Alter zwischen 18 und 30, wo junge Menschen etwas erleben wollen, bieten kleinere Städte oft zu wenig. Und wenn dann die Zeit mit Kindern und Familie kommt, haben sie sich schon woanders etabliert." Seine Forderung: Mehr Unterstützung für Orte und Angebote, die junge Menschen in der Region halten.

Ein Vermächtnis des Aufbaus und der Transformation

Die Geschichte von Axel Heck ist ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie ein einzelner Unternehmer durch Vision, Ausdauer und den Mut zum unkonventionellen Denken nicht nur ein erfolgreiches Unternehmen aufbauen, sondern auch das Gesicht einer ganzen Stadt prägen kann.

Von seinem ersten kleinen Immobilienprojekt 1991 hat er einen beeindruckenden Weg zurückgelegt – nicht durch einen großen Plan, sondern durch viele kleine Schritte, stets geleitet von der Frage: Was könnte besser sein? Wo liegt ungenutztes Potenzial? Was braucht diese Stadt?

Seine Erfolgsgeschichte zeigt, dass echtes Unternehmertum mehr ist als Gewinnmaximierung. Es geht darum, Verantwortung zu übernehmen, den Mut zu haben, ins Ungewisse zu springen, und die Fähigkeit, auch dort Chancen zu sehen, wo andere nur Probleme erkennen.

In einer Zeit, in der oft über fehlende Investitionen und Perspektiven in ostdeutschen Regionen geklagt wird, steht Axel Heck als lebendes Beispiel dafür, was mit Eigeninitiative, Kreativität und der Bereitschaft, Risiken einzugehen, möglich ist. Sein Vermächtnis ist nicht nur in den sanierten Gebäuden und innovativen Projekten zu sehen – es liegt auch in der Inspiration, die er für die nächste Generation von Unternehmern darstellt, die den Mut haben, ihre eigenen Visionen zu verwirklichen.


Im EASTSIDE HEROES Podcast teilen ostdeutsche Unternehmer ihre inspirierenden Geschichten und zeigen, wie sie Herausforderungen in Chancen verwandeln. Höre die vollständige Episode mit Axel Heck auf allen gängigen Podcast-Plattformen.

 

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Sebastian Meier

Als Brückenbauer zwischen Innovation und Tradition prägt Sebastian Meier die Zukunft des ostdeutschen Unternehmertums. Seine außergewöhnliche Expertise wurzelt in zwei Welten: Als ehemaliger Leiter des Thüringer Zentrums für Existenzgründungen erkannte er die Bedeutung starker Netzwerke und brachte erstmals die relevanten Akteure der Gründungsszene an einen Tisch. Diese neugeschaffenen Synergien zwischen Wirtschaft, Forschung und Förderung wirken bis heute nach. Als Gründer führte er selbst die myGermany GmbH von der Startup-Vision zum erfolgreichen internationalen Bestandsunternehmen.

Diese einzigartige Kombination aus Startup-DNA und Institutionserfahrung macht ihn zum gefragten Sparringspartner für Unternehmer und Innovatoren. Mit EASTSIDE HEROES verfolgt er heute eine klare Mission: Die Transformation Ostdeutschlands zum dynamischen Wirtschaftsstandort der Zukunft. Sein 15 Jahre aufgebautes Netzwerk aus über 500 aktiven Unternehmenskontakten nutzt er, um etablierte Player mit innovativen Scale-ups zu verbinden und echte Wertschöpfung zu generieren.

Als Nerd für Künstliche Intelligenz und Automatisierung berät Sebastian regelmäßig Unternehmen bei ihrer digitalen Transformation.

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